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Social Media: Ein #Gate für alles

CC BY-SA 3.0 Huhu Uet
CC BY-SA 3.0 Huhu Uet

Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendeine sprichwörtliche Sau durch das Social Media Dorf getrieben wird. Unlängst trat der WDR mit einem satirisch gemeinten Beitrag ins Fettnäpfchen, bei dem die “Generation SUV” – die heutigen Omas – rundweg als “Umweltsau” bezeichnet wurde. Der sich darauf entzündende Shitstorm wurde als #omagate bekannt. Er entstand, so die Betrachtung wenn man sich das Ganze mal mit ein wenig Abstand und Neutralität ein paar Tage später ansieht, vermutlich am ehesten noch hauptsächlich dadurch, dass die eigentlich angesprochene Generation mit “Oma” immer noch die eigene Oma verbindet, und die führte recht häufig tatsächlich ein deutlich nachhaltigeres, umweltfreundlicheres Leben mit Obst- und Gemüseanbau im eigenen Garten und eben ohne SUV. Dass diese Oma gar nicht angesprochen war, merkte im Eifer des Gefechts nur niemand. Es sprangen aber stehenden Fußes Tausende der Generation Nachkriegsaufbau  zur Hilfe; darunter dann leider auch zuweilen unangenehme Gestalten rechts der konservativen Linie – wie bei jedem guten Shitstorm, der seinem Namen gerecht wird.

Nun muss man – bei ehrlicher und neutraler Betrachtung der Vorgänge – einige Dinge zugeben:

  •  Ja, unter den Kritikern waren auch viele, deren politische Ausrichtung auch der Piratenpartei, als demokratischer und damit per definitionem antifaschistischer Partei, Sorgen bereitet.
  • Sofern dem WDR-Mitarbeiter tatsächlich Morddrohungen ins Haus flatterten, ist dies natürlich keineswegs in Ordnung und wir verurteilen dies aufs Schärfste. Hier muss entsprechend ermittelt und gemäß den gesetzlichen Vorgaben gehandelt werden.

Man muss allerdings ebenfalls einräumen, dass

  • sich mit den JuLi und der FDP demokratische und über den Zweifel der Radikalität rechts der Demokratie erhabene Instanzen in die Reihen der Kritiker des WDR einreihen. Jene pauschal als Nazis zu bezeichnen, ist des demokratischen Diskurses schlichtweg unwürdig und rundheraus gesagt eine Frechheit. Es schadet auch der eigenen Agenda, denn wer jeden, der die eigene Meinung nicht teilt, direkt als Nazi bezeichnet, steht irgendwann ohne Freunde in einem Meer voller Feinde. Und das völlig ohne Not und ohne Relation.
  • der öffentlich-rechtliche Rundfunk keineswegs, wie an mancher Stelle behauptet, sakrosankt ist. In einer gut funktionierenden Demokratie ist auch und gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Informationsmedium stetiger Kontrolle – und idealerweise auch Selbstkontrolle – unterlegen und sollten sich verbesserungswürdige Punkte finden, so müssen diese angegangen werden. In einer Demokratie sind nur wenige Dinge wirklich sakrosankt und damit starr und unabänderlich. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört mitnichten dazu.

Fernab jedweder politischen Geschmacksrichtung wäre die Lösung im Übrigen eine ganz simple und wahrscheinlich schon wieder viel zu pragmatisch, als dass jemand darauf kommen könnte: anstatt mit Antagonismus und Beleidigung darauf zu hoffen, ein Umdenken zu erzielen, könnte man auch einfach sachlich, Vernunft- und Faktenbasiert auf bessere Aufklärung, Information und sachlichen Diskurs setzen und vor allem eben grundsätzlich auf Beleidigungen und Antagonieren zum Selbstzweck verzichten. Man müsste nur wollen.

Ich empfehle daher:

  1. Immer mit der Ruhe. Im Zweifel auch mal ein paar Schritte zurück gehen, sich die Situation mit Abstand ansehen und dann sachlich, fundiert und würdevoll miteinander umgehen.
  2. Wer auf Antagonismus und Kampf setzt, macht sich das Leben selbst unnötig schwer. Auf lange Sicht macht man es sich selbst viel einfacher, wenn man stattdessen mit Fakten, guten Informationen und gut vorbereitetem, sachlichem Diskurs auf andere zugeht.
  3. Beleidigungen bringen niemanden weiter, hindern gar die vernünftige Aufarbeitung von Themen zum Teil extrem, da der Beleidigte zwangsläufig die Motivation verliert, dem Beleidigenden die Chance zu geben, seine Argumentation fortzuführen. Niemand verlangt Kuschelrunden und Cellophanverpackungen; aber auf plumpe Aggression und Beleidigungen sollte man grundsätzlich verzichten. Einer vernünftigen, lösungsorientierten und zielführenden Diskussionskultur zuliebe.

Dieser Beitrag wurde zuerst in der Flaschenpost veröffentlicht und ist auch hier zu finden.

Tobias Buturoaga wurde 1981 geboren. Er arbeitet seit fast 20 Jahren im und am Internet als Community Manager, Social Media Manager, Moderator und verkauft dabei Eskimos Kühlschränke. Er spricht fließend Sarkastisch. In der Jugend linke Socke, als junger Erwachsener eher sozialliberal und mittlerweile von konventionellen Schubladen genervt. Atheist, Pragmatiker und Realist.

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