Offener Brief an Jens Spahn

Lieber Herr Bundesgesundheitsminister,

mit Betroffenheit, Verwunderung und – das gebe ich gerne unumwunden zu – auch einer gehörigen Portion Wut im Bauch habe ich Ihre Entscheidung vernommen, das Impfen mit dem Impfstoff von AstraZeneca auszusetzen. Als Grundlage Ihrer Entscheidung nannten Sie ein Risiko zur Entwicklung von Thrombosen, auf Basis von 7 Fällen unter 1,6 Millionen Geimpften in Deutschland, die solche Thrombosen entwickelt haben.

Insgesamt wurden bis zum 10. März 2021 rund 5 Millionen Menschen mit dem Wirkstoff von AstraZeneca geimpft. Unter diesen 5 Millionen traten bis dahin 30 solcher Fälle auf. Es ergeben sich aus diesen Zahlen nun folgende Wahrscheinlichkeiten bzw. tatsächliche Quoten.

Für Deutschland: 0,0004375% der Geimpften hatten eine Thrombose.
Insgesamt: 0,0006% der Geimpften hatten eine Thrombose.

Ein kausaler Zusammenhang ist indes weder geklärt, noch besonders wahrscheinlich. Der Impfstoff wird intramuskulär verabreicht und hat m.W. (aber genau wie Sie bin ich kein Hämatologe, Immunologe oder überhaupt Arzt) auch grundsätzlich keine Zwischenwirkungen mit der oder Effekte auf die Blutgerinnung.

Ihre – überaus plötzliche, denn grundsätzlich und im Verlauf der Pandemie betrachtet war das nicht immer der Fall – Vorsicht in allen Ehren, aber: Sie übertreiben maßlos und beschädigen gerade aktiv das Vertrauen der Menschen in die Regierung, den Impfstoff und das Impfen an sich. Und das für nichts und wieder nichts. Das Thromboserisiko des Verhütungsmittels “Pille” wird allgemein mit 0,15% angegeben; das ist das 250-Fache des oben genannten Risikos. Die Pille wird dennoch mithin bedenkenlos verschrieben und das tausendfach. Ibuprofen ist frei verkäuflich, man benötigt noch nicht einmal ein Rezept dafür. Haben Sie sich den Beipackzettel von Ibuprofen mal durchgelesen? Ganz offenbar nicht, denn Ibuprofen erfreut sich weiterhin großen Absatzes und darf frei verkauft werden, dabei ist es erwiesenermaßen potentiell deutlich schädlicher als die Impfung mit AstraZeneca.

Menschen, die vorher keine Bedenken gegen eine Impfung hatten, könnten jetzt welche entwickeln. Und dabei sprechen wir natürlich eben nicht von Impfgegnern und Coronaleugnern; die hatten Sie vorher schon nicht überzeugt. Wir sprechen dabei von Menschen, die grundsätzlich unsicher waren, nicht vom Fach sind und sich da blind darauf verlassen, dass die Regierung und die Verantwortlichen schon wissen werden, was sie tun. Denen haben Sie den Impfstoff jetzt erfolgreich vollends vergällt.

Lieber Herr Spahn, ich sage es ganz offen und in aller Deutlichkeit: diese Entscheidung war absoluter Unsinn und schädlich. Ein Risiko von 0,0006%, noch dazu, bei dem noch überhaupt nicht geklärt ist, ob ein kausaler Zusammenhang besteht und der obendrein mehr als unwahrscheinlich erscheint, gehe ich liebend gerne ein. Denn alleine schon bei einem Waldspaziergang von einem einknickenden Baum erschlagen zu werden, stellt ein höheres Risiko dar, als mit dem Wirkstoff von AstraZeneca geimpft zu werden.

Lassen Sie die Menschen selbst entscheiden, womit sie geimpft werden wollen. Ich versichere Ihnen, genügend Menschen haben ein besser entwickeltes Zahlen- und Risikobewusstsein als Sie.

Mit freundlichen, aber mittlerweile durchaus strapazierten und nicht mehr allzu geduldigen Grüßen,

Ihr Tobias Buturoaga

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

siebzehn − fünf =