Digitalisierung und Technologie

Kirk mit Kommunikator; Bild von https://d1ngmla7rol335.cloudfront.net/content/51939/4f2dcca05c9f2ee5829c7306a7df8f18.jpg

Es gibt im Englischen die Wendung “What a time to be alive!”, zu Deutsch in etwa “Welch Zeit, in der wir leben!”. Häufig wird sie genutzt, um zum Ausdruck zu bringen, welch atemberaubenden technischen Meisterwerke wir heutzutage nutzen. Und in der Tat leben wir in einer technisch sehr beeindruckenden Zeit. Als Captain Kirk in den späten 60ern den handlichen, mobilen Kommunikator zückte, war das noch absolute Zukunftsmusik und wir mussten auch noch beinahe 2 Jahrzehnte warten, bis mit dem DynaTAC 8000X von Motorola das erste vergleichbare Gerät auch für uns verfügbar war – sofern wir uns den stattlichen Startpreis von umgerechnet heute rund 8000€ leisten konnten.

Touchscreens, wie wir sie heute alle kennen und nutzen, sind noch gar nicht so alt. Die grundlegende Technologie existiert zwar bereits seit Mitte der 70er Jahre, aber es sollte noch gut weitere 20 Jahre dauern, bis die ersten Geräte mit Touchscreens auch einer breiteren Masse verfügbar gemacht wurden. Heute ist ein Touchscreen keine Seltenheit mehr, eher schon sind es Geräte, die keinen haben.

Während Deutschland allerdings in manchen Bereichen voll im Puls der Zeit liegt, hinken wir in anderen Bereichen weit hinterher. Das Wirtschaftswunder und die Zeitabschnitte des Aufschwungs und der Erneuerung kamen uns da zunächst zu Gute: Deutschland hatte lange Zeit eine gute, solide technische Infrastruktur. Leider hat man ab einem gewissen Punkt versäumt, weiterhin mit der Zeit zu gehen und zeitnah und sinnvoll in Innovation und Fortschritt zu investieren. Man ruhte sich auf der guten Infrastruktur aus und bemerkte nicht, wie alle Anderen um uns herum sich, in unterschiedlichem Ausmaß und Tempo, an uns vorbeischlichen und mittlerweile lassen uns viele unserer Nachbarländer, diesen Punkt betreffend, teilweise weit zurück. Ein gutes Beispiel hierfür ist unser Breitbandausbau. Schnelles Internet, das heißt in Deutschland oft 50 MBit/s; wenn man Glück hat. Es gibt ganze Landstriche, in denen man nur davon träumen kann, einen Downstream von 50 MBit/s zu erreichen. Laut Statistiken eines weit verbreiteten Internetgeschwindigkeitstests (Ookla) liegt die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit in Deutschland bei ca 68 MBit/s; damit liegen wir im weltweiten Vergleich auf Platz 30 und noch hinter Belgien, Dänemark, Rumänien, Großbritannien, Tschechien, Finnland und der Schweiz.Beim mobilen Internet schneiden wir mit Platz 43 und nur rund 31 MBit/s sogar noch schlechter ab.

Hier müssen dringend Anreize geschaffen werden, das Breitbandnetz auszubauen. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist es nicht unerheblich, ob man hier richtig schnelles Internet bekommen kann oder nicht. Gerade für Softwarefirmen, Dienstleister und Unternehmen, die große Mengen an Daten zwischen ihren einzelnen Standorten bewegen müssen, sind schnelle Datenverbindungen wichtig.

Auch am Ausbau der Mobilen Datennetze muss gearbeitet werden. Über weite Strecken Deutschlands kann man froh sein, Edge zu bekommen. Nicht wenige Menschen müssen heutzutage über lange Strecken mit der Bahn pendeln und erledigen nicht selten während dieser Zeit Arbeiten unterwegs. Viele davon benötigen hierfür eine Internetverbindung, die stabil und hochwertig ist; stattdessen bekommen Sie bestenfalls Edge in fragwürdiger Stabilität. Ich war neulich in der Karlsruher Innenstadt unterwegs. Ich würde Karlsruhe nun schon als hinreichend große Stadt bezeichnen, dennoch hat man vielerorts in Karlsruhe maximal H+. Von LTE weit und breit keine Spur. Zumal die Deutschen Netze LTE auch nicht in der theoretisch möglichen Bandbreite bedienen. Mit LTE CAT18 wären theoretisch bis zu 1200 MBit/s möglich. Laut meinem Mobilanbieter Vodafone sind mit meinem Vertrag bis zu 350 MBit/s möglich. Die höchste Messung, die ich jemals hinbekommen habe, waren 47 MBit/s. Sicher, wir benötigen kein 5G an jeder Milchkanne. Solange wir jedoch noch nicht einmal zuverlässig und stabil 4G/LTE garantieren können, sind solche Aussagen an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und wettbewerbsfähig sind wir damit auch nicht.

Ein weiterer Punkt, an dem wir in Deutschland noch viel arbeiten können, ist das sogenannte eGovernment. Hier stehen wir in Deutschland noch ganz am Anfang, während beispielsweise die Tschechische Republik hier ein absoluter Vorreiter ist. Unser Nachbar Frankreich kommuniziert bereits völlig problemlos via EMail mit seinen Bürgern. Eine Mehrzahl der Behördenangelegenheiten kann in Frankreich problemlos per EMail oder über eigens hierfür bereitgestellte Webschnittstellen einzelner Behörden erledigt werden. In Österreich gibt es ebenfalls Dutzende Dienste und eGovernment Anwendungen, mit denen man sich viele Behördengänge teilweise oder komplett sparen und online, bequem von zu Hause aus, erledigen kann. Währenddessen gibt es in Deutschland immer noch Behörden, die auf EMails nicht antworten und bei denen ein Besuch in der Behörde vor Ort, selbst für simpelste Fragen oder Vorgänge, unausweichlich ist.

Deutschland ist hier erschreckend weit zurückgefallen und geradezu rückständig. eGovernment ist nicht nur bequemer und flexibler für den Bürger, es würde auch die unendlichen Papierberge, in denen deutsche Behörden geradezu ertrinken, verringern.


Bilderquellen:
Kirk mit Kommunikator; Bild von https://d1ngmla7rol335.cloudfront.net/content/51939/4f2dcca05c9f2ee5829c7306a7df8f18.jpg

Glasfaser von innen; Bild von https://www.telekom.com/de/medien/medieninformationen/detail/glasfaser-bis-zu-haushalten-telekom-forciert-ausbau-509310

Schreibmaschine eGovernment; Bild von https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/e-government-gesetz-bringt-nrw-eine-neue-aera-des-digitalen-zeitalters